Welchen Islam verträgt Deutschland?

25. Januar 2011

Necla Kelek und Marcus Klein“Welchen Islam verträgt Deutschland?“, diese Frage lockte über 100 Zuhörerinnen und Zuhörer ins Haus des Bürgers in Ramstein-Miesenbach. Dort sprach die islamkritische Autorin Necla Kelek über die besonderen Probleme bei der Integration von Migranten aus dem islamischen Kulturkreis. „Eine bessere Integration von in Deutschland lebenden Muslimen durch mehr Bildung und Besinnung auf gemeinsame europäische Werte ist die Grundvoraussetzung, damit die Muslime in einer freien Gesellschaft ankommen“, sagte Kelek, die auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Vortrag und Diskussion in die Pfalz gekommen war.

Integriert sei, wer nach den Gesetzen des Landes handele, sich auf Deutsch verständigen könne, aber auch mit den Werten und der Kultur vertraut sei.

Integrationspolitik sei in vielen Fällen an einem falsch verstandenen Liberalismus gescheitert. Ohne Leitbild und die Verständigung auf einen Grund-Wertekonsens entstünden Parallelgesellschaften. „Die Annahme, dass die muslimische Frau von selbst freie Frankfurterin wird, nur weil sie jahrelang über die Zeil läuft, ist schlicht falsch“, sagte Kelek ins Anspielung auf ein Integrationskonzept vom Main.

Auf die Fragen des CDU Kreisvorsitzenden Marcus Klein erzählte die türkischstämmige Autorin von muslimischen Frauen, die die Freiheit fürchten, weil sie sie nicht kennen. „Vieles entspringt gelebter Tradition und einem in Deutschland überwundenen Rollenverständnis.“ Letzteres sei bei religiösen Strömungen innerhalb des Islam auch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Klar sei aber, dass ein Rollenverständnis, bei dem Frauen „die Ehre und der Besitz“ ihrer Väter und Ehemänner seien mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht vereinbar ist.

Kinder von Migranten sollten daher in Schulen zur freien Entscheidung und zu freien Staatsbürgern erzogen werden. „Freiheit muss man lernen.“ Dazu gehöre auch die Freiheit, sich für oder gegen eine religiöse Überzeugung zu entscheiden.

Der Umgang mit muslimischen Kindern und Jugendlichen an den Schulen spielte in den Wortmeldungen der Besucher eine große Rolle. Für die Vorgaben in einem Leitfaden des Bildungsministeriums, der unter anderem einen geschlechtergetrennten Sportunterricht oder den Einsatz eines Ganzkörperbadeanzuges („Burkini“) für muslimische Mädchen im Schwimmunterricht empfiehlt, fehlte auch zahlreichen Mitdiskutanten islamischen Glaubens das Verständnis. Hier werde ein patriachalisches Rollenbild befördert, bevor kleine Mädchen alt genug seien, selbst über ihr Leben zu entscheiden.

Dem Einwurf einer Zuhörerin, nur mit größtmöglicher Toleranz könne Integration gelingen hielt Kelek entgegen, dass falsch verstandene Toleranz vielen Frauen und Mädchen in Deutschland nicht weiterhelfe. Zwangsverheiratungen und häusliche Gewalt seinen beispielsweise keine Ausnahme. „Hier darf es kein Wegschauen und keine Kompromisse geben. Der Islam muss sich mit sich selbst auseinandersetzen, mit Philosophie und Naturwissenschaft und in der heutigen Zeit ankommen. Dann passt er zu den Vorgaben des Grundgesetzes.“